Zeitungsbericht

Alternative Medizin für Chronisch Erkrankte

aus MAGDEBURG KOMPAKT
(Artikel im Originalzusammenhang lesen: hier, zweite Hälfte des Blattes.)

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Ron Kuleßa bietet Seminare an, um Einblicke in die Cranio-Sacral-Therapie zu geben. Foto: Peter Gercke

Die Atmosphäre ist ruhig, der Klient liegt auf der Behandlungsliege. Es ist seine erste Sitzung in Cranio-Sacral-Therapie, einer alternativmedizinischen Heilmethode. Gedanken schwirren noch durch den Kopf. „Ein Klient ist jemand, dessen Interessen ich vertrete“, hatte Ron Kuleßa ihm erklärt. „Patient heißt ‘der Leidende’ und davon wollen Sie doch loskommen, oder?“

Die Frage, ob er an die Wirkung glauben müsse, hatte Ron Kuleßa eindeutig verneint. „Beobachten Sie einfach locker, was in Ihrem Körper geschieht. Dann können Sie sich eine Meinung über die Wirkung bilden.“ Die Behandlung selbst wirft Fragen auf. Kuleßa wechselt ab und zu die Position: Füße, Knie, Becken, Schultern… „Wenn Beschwerden über viele Jahre bestehen, hat sich der gesamte Körper verändert“, erklärt er mit leiser Stimme. An den einzelnen Positionen scheint er nur die Körperteile zu halten. Kuleßa nennt das „Smart Contact“. Im Klienten scheint etwas vorzugehen: Hier und da eine Zuckung, die Schultern lassen los, der Kopf dreht sich nach rechts.

Der Klient hat mittlerweile seine Augen geschlossen, atmet tief und scheint in einer anderen Welt zu sein. „Ein Effekt des Smart Contact ist, dass der Klient in einen parasympathischen Zustand geht. Das heißt, sein vegetatives Nervensystem geht vom Aktionsmodus in den Regenerationsmodus. Das unterstützt Heilungsvorgänge“, erklärt der Heilpraktiker.

Endlich: Kuleßa ist an Halswirbelsäule und Nacken angekommen – dort, wo es seit Jahren schmerzt. „Der eigentliche Effekt des Smart Contact ist, dass wir eine Reaktion im Organismus auslösen. Das kann viel nachhaltiger sein, als alles von außen eingebrachte. Da geht es um viel mehr als nur Entspannung.“

Nach 50 Minuten holt Kuleßa seinen Klienten mit festen Griffen an den Füßen zurück in diese Welt. Er lässt ihm Zeit, zum Sitzen und schließlich zum Stehen zu kommen. Auf die Frage, wie er sich denn fühle, rinnen Tränen der Erleichterung über die Wangen. So hatten sich Hals und Nacken schon seit vielen Jahren nicht angefühlt.

Die Cranio-Sacral- Therapie ist eine Sonderform der Osteopathie. Sie wird von vielen Krankenkassen bezuschusst. „Jetzt brauchen nur noch mehr Ärzte das Potenzial der Cranio-Sacral-Therapie zu erkennen“, sagt der Master-Practitioner des Cranio-Sacral-Verbandes Deutschland. Um einen Einblick in die Therapie zu geben, bietet Kuleßa Fachvorträge und Tagesseminare an, das nächste Mal im Juni. Zudem hat der Heilpraktiker das Bridges-Projekt ins Leben gerufen, um eine Brücke zwischen unterschiedlichen Heilsystemen zu bauen. „Schulmedizin und Alternativmedizin stehen nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen einander“, so Ron Kuleßa.